Trinkgeld auf der Kreuzfahrt – der große Reederei-Vergleich
Trinkgeld auf der Kreuzfahrt gehört zu den Themen, die vor der ersten Reise am meisten verunsichern. Wer zahlt wie viel, an wen, und ist das überhaupt Pflicht? Die kurze Antwort: Es kommt auf die Reederei an. Die ausführliche Antwort findest du in diesem Ratgeber.
Wir haben die Trinkgeld-Regelungen aller großen Reedereien zusammengetragen — von der automatischen Servicegebühr bei MSC bis zum All-inclusive-Modell bei Hapag-Lloyd. Am Ende weißt du genau, was auf dich zukommt und worauf du achten solltest. Denn bei einer einwöchigen Kreuzfahrt zu zweit können Servicegebühren schnell über 200 Euro ausmachen — ein Betrag, den du besser vorher auf dem Schirm hast.
Wie funktioniert Trinkgeld auf Kreuzfahrtschiffen?
Bevor wir in die Details gehen, ein Überblick über die drei Modelle, die sich in der Kreuzfahrtbranche etabliert haben:
Modell 1: Trinkgeld im Reisepreis enthalten. Bei AIDA, Mein Schiff und den meisten Luxusreedereien ist das Trinkgeld bereits in deinem Reisepreis eingerechnet. Du musst an Bord nichts extra zahlen und siehst auch keinen Posten auf deiner Bordrechnung. Das ist das einfachste Modell — du zahlst, was du gebucht hast, fertig.
Modell 2: Automatische Servicegebühr auf das Bordkonto. MSC, Royal Caribbean, Norwegian und viele internationale Reedereien buchen täglich eine feste Servicegebühr auf dein Bordkonto. Der Betrag liegt typischerweise zwischen 10 und 20 Euro pro Person und Tag. Am Ende der Reise wird der Gesamtbetrag mit deiner Kreditkarte abgerechnet.
Modell 3: Kein Trinkgeld, höhere Gehälter. Hapag-Lloyd zahlt seiner Crew höhere Gehälter und verzichtet komplett auf Trinkgeld-Empfehlungen. Wenn du jemandem etwas geben möchtest, ist das willkommen — aber es wird weder erwartet noch subtil angedeutet.
Tipp von unseren Travel Designern
In unserem Ratgeber zu den versteckten Kreuzfahrt-Kosten findest du alle weiteren Nebenkosten, die über den reinen Reisepreis hinausgehen — von Getränkepaketen bis Landausflügen. Trinkgeld ist nur ein Baustein.
Deutsche Reedereien: AIDA, Mein Schiff und Co.
Für die beliebtesten deutschen Reedereien haben wir gute Nachrichten: Das Thema Trinkgeld ist hier am unkompliziertesten.
AIDA Cruises
Bei AIDA ist Trinkgeld im Reisepreis enthalten. Es gibt keine zusätzliche Servicegebühr, keinen Umschlag auf der Kabine und keinen Hinweis an der Rezeption. Du kannst natürlich trotzdem einem Crew-Mitglied ein persönliches Trinkgeld geben — viele Gäste tun das am letzten Abend für den Kabinensteward oder den Lieblingsbarkeeper. Aber es ist rein freiwillig.
Mein Schiff (TUI Cruises)
Auch bei Mein Schiff ist Trinkgeld inklusive. Das passt zum Premium-Alles-Inklusive-Konzept der Reederei, bei der auch Getränke, Spezialitätenrestaurants und Fitness im Preis enthalten sind. Keine Überraschungen auf der Bordrechnung — genau das schätzen die meisten Mein-Schiff-Gäste. In unserem Vergleich Mein Schiff vs. AIDA gehen wir auf alle Unterschiede zwischen den beiden Reedereien ein.
Tipp von unseren Travel Designern
Wenn du dich für eine Meerzeit-Kreuzfahrt entscheidest, ist das Trinkgeld-Thema vom Tisch. Fokussiere dich bei der Budgetplanung lieber auf Landausflüge und Spa-Behandlungen — das sind die Posten, die wirklich ins Gewicht fallen.
Internationale Reedereien: MSC, Royal Caribbean und Norwegian
Bei den großen internationalen Reedereien sieht die Sache anders aus. Hier wirst du mit einer täglichen Servicegebühr konfrontiert, die automatisch auf dein Bordkonto gebucht wird.
MSC Cruises
MSC berechnet eine Hotel-Servicegebühr von 10 € pro Person und Nacht auf europäischen Routen (Mittelmeer, Nordeuropa, Emirate). Auf Routen in der Karibik, Südamerika oder Asien wird der Betrag in US-Dollar berechnet. Kinder unter 2 Jahren sind befreit, Kinder von 2 bis 12 Jahren zahlen den halben Satz. Die Gebühr ist seit einiger Zeit fest im Reisepreis einkalkuliert und wird nicht mehr separat auf dem Bordkonto ausgewiesen.
Royal Caribbean
Royal Caribbean berechnet 18,50 USD pro Person und Tag für Standardkabinen. Suiten-Gäste zahlen 21 USD pro Tag. Bei einer 7-Nächte-Kreuzfahrt für zwei Personen in einer Standardkabine sind das knapp 260 USD — umgerechnet rund 240 €. Dieser Betrag wird am Ende der Reise automatisch abgerechnet.
Norwegian Cruise Line
Norwegian liegt mit 20 USD pro Person und Tag etwas höher. Wer im Haven oder einer Suite reist, zahlt sogar 25 USD täglich. Auch hier gilt: Die Gebühr wird automatisch auf das Bordkonto gebucht und am Ende abgerechnet.
| Reederei | Servicegebühr pro Person/Tag | Modell |
|---|---|---|
| AIDA | 0 € (inklusive) | Im Reisepreis |
| Mein Schiff | 0 € (inklusive) | Im Reisepreis |
| MSC | 10 € (im Preis) | Im Reisepreis einkalkuliert |
| Royal Caribbean | 18,50 USD / 21 USD (Suite) | Automatisch auf Bordkonto |
| Norwegian | 20 USD / 25 USD (Haven) | Automatisch auf Bordkonto |
| Celebrity | 18–23 USD (je nach Kabine) | Automatisch auf Bordkonto |
| Hapag-Lloyd | 0 € (kein Trinkgeld) | Höhere Gehälter |
| Silversea | 0 € (inklusive) | Im Reisepreis |
| Regent | 0 € (inklusive) | Im Reisepreis |
| Explora Journeys | 0 € (inklusive) | Im Reisepreis |
| Ponant | Optional (ca. 10–12 €) | Freiwillig per Umschlag |
Luxusreedereien: Alles inklusive?
Wer sich für eine Luxuskreuzfahrt entscheidet, muss sich über Trinkgeld in der Regel keine Gedanken machen. Bei den meisten Luxusreedereien ist es fest im Reisepreis eingeschlossen.
Hapag-Lloyd Cruises
Hapag-Lloyd geht einen eigenen Weg: Die Reederei zahlt ihrer Crew deutlich höhere Gehälter als branchenüblich und verzichtet komplett auf ein Trinkgeldsystem. Es gibt keine Umschläge, keine Empfehlungen, keine subtilen Hinweise. Wenn du einem Crew-Mitglied trotzdem etwas geben möchtest, weil der Service außergewöhnlich war, ist das natürlich möglich — aber niemand erwartet es.
Silversea
Bei Silversea sind alle Trinkgelder an Bord im Reisepreis enthalten — Restaurants, Suite-Butler, Barkeeper. Die Crew ist nicht auf Trinkgelder angewiesen und wird entsprechend bezahlt. Lediglich im Spa wird wie bei den meisten Reedereien ein Trinkgeld von 15–20 % auf die Behandlung aufgeschlagen.
Regent Seven Seas
Regent verfolgt das gleiche Prinzip: Alle Trinkgelder sind inklusive, sogar auf Landausflügen, die von der Reederei organisiert werden. Das ist tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal — bei den meisten anderen Reedereien sind Landausflüge vom Trinkgeld ausgenommen.
Explora Journeys
Explora Journeys inkludiert ebenfalls alle Trinkgelder im Reisepreis. Zusätzliches Trinkgeld wird weder erwartet noch empfohlen. Nur bei unabhängigen Guides auf Landausflügen ist ein kleines Trinkgeld nach lokaler Sitte üblich.
Ponant
Ponant nimmt eine Sonderstellung ein: Offiziell wird keine Servicegebühr erhoben, aber auf der Kabine liegt ein Umschlag bereit — eine dezente Einladung, am Ende der Reise freiwillig etwas zu geben. Als Orientierung gelten 10–12 € pro Person und Tag. Das Geld wird an der Rezeption in eine anonyme Sammelbox gegeben und gleichmäßig unter der Crew verteilt.
Bei Luxusreedereien ist Trinkgeld kein Thema — und genau das gehört zum Erlebnis. Wer 15.000 Euro für eine Suite zahlt, sollte sich nicht mit Kleingeld-Fragen beschäftigen müssen.
Kann ich die Servicegebühr abbestellen?
Diese Frage kommt regelmäßig auf — und die Antwort ist: Ja, bei den meisten Reedereien mit automatischer Servicegebühr kannst du den Betrag an der Rezeption anpassen oder stornieren lassen. Aber solltest du das tun?
Technisch möglich, moralisch fragwürdig. Die Crew auf Kreuzfahrtschiffen arbeitet hart — oft 10 bis 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, über Monate hinweg. Bei vielen internationalen Reedereien machen Servicegebühren einen wesentlichen Teil der Vergütung aus. Wer die Gebühr komplett streicht, nimmt der Crew direkt Geld weg.
Unsere Empfehlung: Wenn der Service gut war — und das ist er auf den allermeisten Schiffen —, lass die Servicegebühr stehen. Wenn du mit einem bestimmten Aspekt des Service unzufrieden warst, sprich das an der Rezeption an, anstatt pauschal das Trinkgeld zu kürzen.
Bei Reedereien, bei denen das Trinkgeld bereits im Reisepreis enthalten ist (AIDA, Mein Schiff, Silversea, Regent), stellt sich die Frage gar nicht — es gibt nichts abzubestellen.
Tipp von unseren Travel Designern
Rechne die Servicegebühr von Anfang an in dein Reisebudget ein. Bei einer Woche zu zweit auf Royal Caribbean sind das rund 260 USD extra. In unserem Ratgeber zu den 10 häufigsten Buchungsfehlern erklären wir, warum du immer das Gesamtbudget im Blick behalten solltest — nicht nur den Kabinenpreis.
Wem gebe ich zusätzlich Trinkgeld?
Unabhängig vom Modell der Reederei gibt es Situationen, in denen ein persönliches Trinkgeld eine nette Geste ist. Hier die wichtigsten:
Kabinensteward: Die Person, die jeden Tag deine Kabine auf Vordermann bringt, frische Handtücher bringt und abends das Bett herrichtet. Ein paar Euro am Ende der Reise — oder zwischendurch als kleines Dankeschön — werden immer gerne angenommen.
Lieblingsbarkeeper: Wenn du jeden Abend an derselben Bar sitzt und dein Barkeeper deine Vorlieben kennt, ist ein kleines Trinkgeld am Ende der Reise eine schöne Wertschätzung.
Kellner im Spezialitätenrestaurant: In den Zuzahlrestaurants an Bord bekommst du besonders aufmerksamen Service. Ein Trinkgeld von 5–10 € pro besonderem Abendessen ist üblich, aber nicht verpflichtend.
Spa-Therapeuten: Im Spa wird bei fast allen Reedereien ein Trinkgeld von 15–20 % erwartet. Bei manchen Reedereien wird es automatisch auf die Behandlungsrechnung aufgeschlagen — prüfe das vorher, damit du nicht doppelt gibst.
Zimmerservice: Wenn du dir nachts um zwei eine Pizza auf die Kabine liefern lässt, sind 2–3 Euro für den Lieferanten eine freundliche Geste.
Trinkgeld auf Landausflügen
Auf Landausflügen gelten andere Regeln als an Bord. Hier kommt es darauf an, ob du einen Ausflug der Reederei buchst oder auf eigene Faust unterwegs bist.
Reederei-Ausflüge: Bei organisierten Ausflügen ist Trinkgeld für den Guide und den Busfahrer üblicherweise nicht enthalten — auch wenn dein Bordtrinkgeld „alles inklusive" ist. Als Faustregel gelten 2–5 € pro Person für den Guide und 1–2 € für den Fahrer bei einem halbtägigen Ausflug. Ausnahme: Bei Regent Seven Seas sind auch Landausflüge trinkgeldfrei.
Auf eigene Faust: Wenn du deine Landausflüge selber planst, richtest du dich nach den lokalen Trinkgeld-Gepflogenheiten. In Südeuropa sind 5–10 % im Restaurant üblich, in Skandinavien ist Trinkgeld unüblich, in den USA werden 18–20 % erwartet.
Taxi und private Guides: Bei privat gebuchten Touren sind 10–15 % des Tourpreises als Trinkgeld angemessen. Bei Taxifahrten reicht es, den Betrag aufzurunden.
Was tun, wenn du unsicher bist?
Trinkgeld-Unsicherheit ist kein Grund, auf eine Kreuzfahrt zu verzichten. Hier die drei wichtigsten Regeln, die fast immer passen:
1. Informiere dich vor der Buchung. Jede Reederei erklärt ihr Trinkgeld-System auf der eigenen Website und in den Buchungsunterlagen. Wenn du bei uns buchst, klären unsere Travel Designer das Thema proaktiv — damit du nicht am ersten Abend an Bord grübelst.
2. Lass die automatische Servicegebühr stehen. Wenn sie erhoben wird, ist sie eingeplant und verdient. Kürze sie nur, wenn der Service wirklich unterdurchschnittlich war — und kommuniziere den Grund.
3. Gib persönliches Trinkgeld in bar. Kleiner Geldbetrag, große Wirkung. Die Crew freut sich über Bargeld mehr als über eine Anpassung auf dem Bordkonto, weil es direkt bei der Person ankommt.
Tipp von unseren Travel Designern
Wenn du deine erste Kreuzfahrt planst, packe einen kleinen Vorrat an 5-Euro- und 10-Euro-Scheinen ein. So bist du für spontane Trinkgeld-Situationen vorbereitet, ohne am Automaten Geld ziehen zu müssen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich auf der Kreuzfahrt Trinkgeld zahlen?
Das hängt von der Reederei ab. Bei AIDA und Mein Schiff ist Trinkgeld bereits im Reisepreis enthalten. Bei MSC wird eine tägliche Servicegebühr von 10 € pro Person automatisch einkalkuliert. Bei internationalen Reedereien wie Royal Caribbean oder Norwegian wird die Gebühr täglich auf dein Bordkonto gebucht (18–25 USD). Bei Luxusreedereien wie Silversea, Regent und Hapag-Lloyd ist Trinkgeld ebenfalls inklusive oder wird gar nicht erwartet.
Wie viel Trinkgeld ist auf einer Kreuzfahrt üblich?
Die automatischen Servicegebühren liegen je nach Reederei zwischen 10 und 25 Euro bzw. USD pro Person und Tag. Für persönliches Trinkgeld an einzelne Crew-Mitglieder sind 5–20 Euro am Ende der Reise eine übliche Größenordnung. Im Spa werden üblicherweise 15–20 % auf die Behandlung aufgeschlagen.
Kann ich das Trinkgeld auf der Kreuzfahrt abbestellen?
Bei Reedereien mit automatischer Servicegebühr (Royal Caribbean, Norwegian, Celebrity) kannst du den Betrag an der Rezeption anpassen oder stornieren lassen. Wir empfehlen das allerdings nur bei wirklich mangelhaftem Service, da die Crew auf diese Einnahmen angewiesen ist. Bei Reedereien mit inkludiertem Trinkgeld (AIDA, Mein Schiff) gibt es nichts abzubestellen.
Ist Trinkgeld bei Luxuskreuzfahrten inklusive?
Ja. Bei Silversea, Regent Seven Seas, Hapag-Lloyd und Explora Journeys sind alle Trinkgelder und Servicegebühren im Reisepreis enthalten. Zusätzliches Trinkgeld wird weder erwartet noch empfohlen. Einzige Ausnahme: Spa-Behandlungen, wo üblicherweise 15–20 % aufgeschlagen werden, und Ponant, wo Trinkgeld freiwillig per Umschlag gegeben wird.
Wem gebe ich auf dem Kreuzfahrtschiff zusätzlich Trinkgeld?
Die üblichsten Empfänger sind dein Kabinensteward, ein Lieblingsbarkeeper und Kellner im Spezialitätenrestaurant. Ein paar Euro am Ende der Reise oder bei besonders gutem Service sind eine schöne Geste. Im Spa wird üblicherweise 15–20 % Trinkgeld erwartet. Beim Zimmerservice sind 2–3 € pro Lieferung üblich.
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Unsere Travel Designer kennen die Reisewelt aus eigener Erfahrung und helfen dir, die perfekte Kreuzfahrt zu finden — inklusive aller Kosten im Blick.